Schwerpunkt des diesjährigen Weltgesundheitstags am 7. April 2017 ist das Thema Depression. Sabine Ziegler, Chefärztin Psychosomatik an der Ambulanten Fachklinik für Rehabilitation der medicoreha Rheydt, spricht über Möglichkeiten der ambulanten psychosomatischen Reha, das Thema Depression und den Mangel an Psychotherapeuten.

Zuletzt wurde viel über den Mangel an Psychotherapeuten gesprochen. Gibt es den und wie wirkt er sich auf die Arbeit der medicoreha aus?
Sabine Ziegler Ich weiß, dass es Stellen gibt, die dies anders bewerten, aber wenn Sie mich persönlich fragen: Es gibt auf jeden Fall einen Mangel. De facto haben alle Psychotherapeuten, die ich kenne, lange Wartelisten. Auf die Arbeit der medicoreha wirkt sich der Mangel insofern aus, als dass eine Reha häufig erst bewilligt wird, wenn die ambulanten Möglichkeiten als ausgeschöpft gelten. Wenn aber schon kein Zugang zu den ambulanten Therapien besteht, wird damit das weitere Procedere verzögert. So entsteht leider häufig eine Chronifizierung von Erkrankungen.

Wann geht der Patient zum Psychotherapeuten, wann zur medicoreha?
Sabine Ziegler Die medicoreha ist dann zuständig, wenn es beim Patienten insbesondere darum geht, wieder eine Arbeitsfähigkeit herzustellen oder – wie z.B. bei Rentnern – im Alltag wieder belastungsfähiger zu werden.

Wird der Patient immer über den Psychotherapeuten oder Psychiater zur medicoreha überwiesen?
Sabine Ziegler Nein, nur ein kleinerer Teil der psychisch Erkrankten wird fachärztlich behandelt, häufig übernehmen die Hausärzte diese Aufgabe. Allerdings kann es ein Grund für eine Ablehnung des Reha-Antrags sein, wenn noch keine fachärztliche Behandlung stattgefunden hat.

Inwieweit wird der Patient bei medicoreha anders versorgt als bei einem Psychotherapeuten?
Sabine Ziegler Ambulante Psychotherapie umfasst 50-minütige Gespräche, die meist wöchentlich, manchmal auch 14-tägig stattfinden. Bei uns in der ambulanten Reha ist der Patient über vier bis sechs Wochen jeden Wochentag sechs Stunden anwesend und erhält eine umfangreiche Kombination aus ärztlicher Betreuung, Einzel- und Gruppentherapie, Entspannung, Sozialberatung, Psychoedukation, Vorträgen, Sport- und Bewegungstherapie und mehr. Die Intensität ist also wesentlich höher und somit gar nicht vergleichbar.

Psychotherapeuten können Patienten künftig direkt an die medicoreha überweisen. Geschieht das schon?
Sabine Ziegler  Diese Regelung ist erst seit dem 1. April in Kraft. Es ist aber keine Überweisung, sondern der Patient stellt einen Antrag auf Rehabilitation. Den dafür erforderlichen Befundbericht dürfen jetzt nicht mehr nur Ärzte, sondern auch  psychologische Psychotherapeuten ausstellen. Da diese aber mit dem Überweisungs-Prozedere noch keine Erfahrung haben, bieten wir im Mai einen entsprechenden Workshop an.

Wie können Sie Betroffenen von Depression am besten helfen?
Sabine Ziegler Für Patienten mit Depression, die ohnehin wenig Antrieb haben, sich kaum etwas (zu)trauen und die Vieles als große Belastung erleben, müssten die Angebote niedrigschwellig sein, hoher bürokratischer Aufwand ist kontraproduktiv. Solche Patienten benötigen Unterstützung, um aktiv zu bleiben und nicht durch Rückzug und Inaktivität zu chronifizieren.

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