„Der Daniel kriegt die Jungs wieder hin“

Max Hartung, die deutsche Hoffnung bei der Fecht-EM in Düsseldorf, hatte sich kurz vor dem Turnier an der Kapsel verletzt. Dass der Säbelfechter antreten und am Ende Mannschaftsgold und im Einzel die Bronzemedaille gewinnen konnte, war auch ein Verdienst von medicoreha-Physiotherapeut Daniel Hummen. Ein Rückblick auf die Ereignisse.

Die Planchen des Center Courts in Halle 8b der Messe Düsseldorf leuchten wie eine Senso-Spielkonsole aus den späten 70er Jahren. Rot, grün, gelb und blau flackern die Pisten in der abgedunkelten Halle. Es ist der 19. Juni, 18:40 Uhr, und die Entourage rund um die Halbfinalisten marschiert zu verzerrten Gitarrenklängen in die Arena. Das Podest, auf dem am Abend der Sieger feiern wird, steht bereits an der Hallenwand im Dunkeln. Max Hartung betritt die grüne Bahn, checkt die Kontakte an seiner Elektroweste, und richtet seinen Blick auf Veniamin Reshetnikov. Der Kampfrichter fordert die Kontrahenten auf, die Fechtstellung einzunehmen: „En Garde!“ … dann schließt der Kampfrichter seine  Arme vor dem Körper: „Allez!“ Schon springen die Fechter im Ausfallschritt aufeinander zu.

Vom 15. bis 22 Juni hat in Düsseldorf die Fecht-Europameisterschaft stattgefunden. Und dass Max Hartung am Ende mit der Mannschaft Gold und im Einzel die Bronzemedaille der Säbelfechter erringen konnte, daran hat auch medicoreha-Physiotherapeut Daniel Hummen mitgewirkt.

…. mehrere Stunden vor dem Halbfinale, Daniel Hummen hat Hallendienst …

Freudentaumel: Max Hartung feiert nach seinem knappen Sieg gegen Bolade Apithy. Foto Augusto Bizzi

Auf den Planchen neben dem Center Court herrscht reger Betrieb. Das metallische Klackern sich kreuzender Säbel, das Quietschen der Turnschuhe auf dem harten Hallenboden vermengt sich mit Siegesschreien der Fechterinnen und Fechte: Ninja-haft grell und kreischend, wenn eine Dame den Punkt landet, urkräftig und dröhnend bei den Herren, als wären sie die marodierenden Teilnehmer einer Schlacht in „Game of Thrones“.

Der medicoreha-Physiotherapeut und Leiter des MedGolf Instituts an der Golfanlage Hummelbachaue schreitet zwischen den Bahnen hin und her und behält alle deutschen Sportlerinnen und Sportler im Blick, die gerade auf der Fläche kämpfen. „Ich bin für die medizinische Erstversorgung verantwortlich“, erklärt der 34-jährige ausgebildete Sport-Physiotherapeut.  Der Neusser Hummen hat auch dafür gesorgt, dass der Dormagener Hartung heute antreten kann. „Ich habe die Kapsel behandelt, die Muskeln gelockert“, erklärt Daniel Hummen, der Max aber auch andere Sportler im deutschen Fecht-Team seit Jahren betreut und zu etwa fünf Turnieren jährlich begleitet. Olaf Kawald, Fechtkoordinator beim TSV Bayer Dormagen, ist auch in der Halle unterwegs und sagt nur: „Der Daniel kriegt die Jungs wieder hin.“

Das Halbfinale hat inzwischen Fahrt aufgenommen. Das Publikum johlt. Einige Zuschauer haben sich Buchstaben auf den nackten Oberkörper gemalt. In der Formation: „G“ „E“ „R“ „M“ „A“ „N“ „Y“. Es steht 1:2, dann 3:2, 5:4, 5:6. Bundestrainer Vilmos Szabo hat einen ernsten Gesichtsausdruck aufgesetzt. Das Duell gegen Veniamin Reshetnikov ist eng – es geht hin und her, Max‘ Kapsel scheint zu halten.

Am ersten Wettkampftag hatte Max die erste Trainingseinheit absolvieren können und mittags gegenüber uns konstatiert: „Ich konnte zwar im Vorfeld zwei Wochen lang nicht trainieren, die Kapsel hält aber nun ganz gut, das ist wichtig fürs Gefühl.“ Oder: „Dickes Tape und ein bisschen Spucke, dazu Adrenalin im Wettkampf und die Schmerzen sind weg“ – so hatte die FAZ Max in einem Artikel zitiert. Vielleicht passt der Slogan der EM, „Made of Steel“, auch deshalb so gut zu diesem Sport. Wer es an die Spitze schaffen will, muss leidensfähig sein, er oder sie muss Geld und Freizeit entbehren, ohne die ganz große Anerkennung zu erfahren.

Dass die EM im direkten Schatten der Düsseldorf Fußball-Arena stattgefunden hat, dem Ort an dem die Fortuna ihre Bundesliga-Heimspiele absolviert, ist eine passende Analogie – der olympische Sport im Schatten des mächtigen Fußballs. Es gibt den einen DFB und es gibt den anderen DFB. Während der Deutsche Fußball-Bund jährliche vielfache Millionen umsetzt, ist der Deutsche Fechter-Bund auf einer sehr viel schmaleren Spur unterwegs. Ca. 25.000 Hobbyfechter sind derzeit in Deutschland aktiv, knapp 480 Fechtvereine existieren auf Bundesgebiet. Die Besten der Besten können spärlich von den Einnahmen leben.

Stolz auf Bronze! Max Hartung (r.) und medicoreha-Physiotherapeut Daniel Hummen. Foto: privatDr. Dieter Welsink, medicoreha-Chef und selbst ehemaliger Kanuslalom-Weltmeister, weiß, wie hart der Alltag im Leistungssport sein kann. Das ist für ihn ein Grund, warum er das Fechten, aber auch andere Sportarten in der Region – wie Ringen, Hockey oder Tennis – mit Geld oder physiotherapeutischen Leistungen unterstützt und sich im Verein „Partner Sport Bildung“ engagiert. Aber nicht nur das: „Wir bieten Spitzensportlern die Möglichkeit, im Rahmen einer Zwillingskarriere Sport und Beruf zu vereinbaren“, so Welsink. Ein Beispiel ist Laura Mertens, die als erfolgreiche Ringerin auf der Matte kämpft und gleichzeitig bei medicoreha als Ergotherapeutin arbeitet. Ein Grund, warum medicoreha 2016 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zum Spitzensportfreundlichen Betrieb ausgezeichnet wurde.

Zurück zum Fechten: Die Stimme des britischen Moderators, der das Duell für den FIE Fencing Channel im Youtube-Livestream kommentiert, steigt inzwischen vor Aufregung einige Halbtöne an. Es steht nun 10:10. Reshetnikov punktet zum 11:10, dann zum 12:10. Der Moderator wundert sich noch: „Max Hartung hat seine Taktik verändert, immer wenn er sich nach vorne beugt, dann greift er auch an.“ Es sei wie beim „Schere, Stein, Papier“-Spiel, der Russe habe Hartungs Strategie durchschaut. Schafft Max dennoch das Comeback? Keine zwei Minuten später hat Reshetnikov weitere drei Punkte in Folge gemacht und steht im Finale.

„Im ersten Moment war ich schon traurig. Aber es ist doch trotzdem toll, dass wir hier was bieten konnten“, erklärt Max kurz nach der Niederlage. Da wusste er noch nicht, dass er wenige Tage später mit der Mannschaft würde Gold erringen können. Überglücklich rekapitulierten Max, Matyas Szabo, Benedikt Wagner und Björn Hübner-Fehrer ihren Siegeslauf im ZDF.

Wie groß war nun die Chance, den Fechtsport auf der Sportlandkarte stärker zu verorten? Ob er modernisiert werden muss, um gegen vermeintliche Funsportarten wie Skateboard fahren oder Surfen bestehen zu können? Ein Blick ins Regelwerk jedenfalls erweckt den Eindruck, es entstamme einer länger zurückliegenden Epoche. Etwas antik heißt es da, ein Fechter werde bestraft, wenn er „sich ungehorsam verhält“ oder „keine regelkonforme Haartracht trägt“.

Gegen die Haartracht der Athleten war bei dieser EM nichts einzuwenden. Und Max hat in seiner Funktion als Athletensprecher des Deutschen Fechter-Bunds und Gründer der Vereinigung Athleten Deutschland e. V. schon viel erreicht, um die Sportart auf ein neues Level zu heben. Eine bessere Absicherung der Sportler etwa, unabhängig von einer Umwegfinanzierung über Bundeswehr, Zoll oder Polizei.

Uns gegenüber hatte Max noch in der Vorrunde erklärt, dass es wichtig sei, die Sportart als attraktiv gegenüber den Zuschauern zu verkaufen, Düsseldorf sei eine Möglichkeit, genau das zu tun. Mit der Familie und den Freunden in der Halle. Und in der Tat: Der Sport ist voller Emotionen mit und gespickt mit engen Entscheidungen. Wer ein wenig Zeit investiert, wird schnell hineingesogen in die Faszination Fechten.

24.06.2019, jkr-

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